Im Jahr 1837 formte König Ludwig I. im Rahmen einer Neustrukturierung Bayerns den Kreis Oberfranken. Dieser stellte den Nachfolger des Obermainkreises dar, der bis 1817 Mainkreis geheißen hatte, aber wegen des 1814 hinzukommenden Untermainkreises umbenannt worden war.
Kontinuitäten überwogen auf den ersten Blick bei der Reform von 1837: Das Kreisgebiet änderte sich nicht allzu sehr, Bayreuth behielt seine Würde als Kreishauptstadt, der Generalkommissär blieb als Regierungs-präsident im Amt. Dennoch markiert die Umwandlung des Obermainkreises zum Kreis Oberfranken eine Trendwende in der Politik.
1808 hatten König Maximilian I. Joseph und sein Minister Maximilian von Montgelas bei der Einteilung Bayerns in Kreise diese Verwaltungseinheiten, dem französischen Vorbild folgend, nach Flussnamen benannt, um Reminiszenzen an die alten Herrschaften auszulöschen und Bayern als Einheitsstaat erscheinen zu lassen. König Maximilians I. Sohn und Nachfolger Ludwig I. hingegen verstand Bayern als die Summe seiner Landesteile: In den Feldern des neuen Wappens verwies er ebenso auf die „Stämme" wie in den Namen der Kreise.
Auch im Zuschnitt der Kreise orientierte sich die bayerische Verwaltung stärker als zuvor am historischen Erbe. Der Obermainkreis umfasste ab 1810 die Landgerichte Tirschenreuth, Neustadt a. d. Waldnaab, Kemnath, Eschenbach und Waldsassen und damit neben Teilen ehemaliger fränkischer Territorien auch ein Stück der Oberpfalz; geographische Gesichtspunkte - die Nähe zu Bayreuth - hatten die Gestalt des Verwaltungssprengels bestimmt. Der neue Kreis Oberfranken dagegen richtete sich weit stärker an historischen Gegebenheiten aus: Er bestand aus großen Teile des einstigen Hochstifts Bamberg und aus dem Oberland des früheren Markgraftums Bayreuth. Die südöstlichen Landgerichte kamen zum Kreis Oberpfalz und Regensburg, vom ehemaligen Rezatkreis (Mittelfranken) erhielt Oberfranken dagegen das vormals bambergische Herzogenaurach.
Wenngleich also das Oberfranken von 1837 seinen Umriss nicht mehr staatsaufklärerischem Pragma-tismus, sondern romantischer Geschichtsbezogenheit verdankte, so band doch die Administration Gebiete unterschiedlichen Charakters zusammen. Durch die Vergangenheit des Raums bedingt, herrschte inner-halb des neuen Kreises in wirtschaftlicher und konfessioneller Hinsicht eine erhebliche Differenzierung. Das Gebiet war, grob gesagt, zweigeteilt: in einen katholisch geprägten, von Landwirtschaft und Kleinhand-werk bestimmten Westen und in einen evangelischen Osten, in dem die Industrialisierung, zumindest in manchen Landstrichen, weit fortgeschritten war.