Im Frühjahr 2006 hatte Oberfranken Offensiv - Forum Zukunft Oberfranken e.V. die Bürgerinnen und Bürger Oberfrankens aufgerufen, sich im Rahmen des Wettbewerbs „Expedition Mittelpunkt Oberfranken" an der Suche nach der geographischen Mitte unseres Regierungsbezirks zu beteiligen.
Über 80 Teilnehmer haben sich der Expedition zum Mittelpunkt Oberfrankens angeschlossen und waren erfolgreich. Er liegt bei 50 Grad 3 Minuten 6,9 Sekunden nördlicher Breite und 11 Grad 22 Minuten 35,3 Sekunden östlicher Länge an der Staatsstraße 2190 in der Gemeinde Kasendorf im Landkreis Kulmbach.
Mit dem Wettbewerb „Kunst am Mittelpunkt" sollte der symbolträchtige und geographisch bedeutende Ort im Markt Kasendorf im Kulmbacher Land in besonderer Weise gestaltet werden. Es war ein Wettbewerb, der sich an alle freischaffenden, professionellen Künstler mit Wohnsitz oder Geburtsort Oberfranken sowie an alle Personen mit Wohnsitz in Oberfranken, die den Nachweis einer freischaffenden künstlerischen Tätigkeit führen können, richtete.
Insgesamt 12 Arbeiten verschiedenster Art wurden eingereicht. Über die Vorrunde ging es in das Finale, in dem letztlich noch vier Arbeiten einer letzten Beurteilung standhalten mussten.
Seit dem 26. Oktober ist der geographische Mittelpunkt Oberfrankens nun auch von weitem zu sehen. Die Skulptur, die auch als „Tornado" oder „Eistüte" bekannt ist, hat eine Höhe von 7,80 Meter und wiegt ganze 650 Kilo. Aufgestellt wurde sie mit einem Neigungswinkel von 15 Grad.
Der Bamberger Bildhauer Bernd Wagenhäuser hat die geographische Mitte Oberfrankens mit einer ungewöhnlichen Stahlskulptur geschmückt.
Wagenhäuser, seit 1992 erster Vorsitzender des Berufsverbandes bildender Künstler in Oberfranken, ging mit seiner Arbeit als Sieger eines entsprechenden Wettbewerbs hervor, den Oberfranken Offensiv - Forum Zukunft Oberfranken e. v. ausgelobt hatte. Der von ihm selbst so bezeichnete „Kreisel" erinnert in seiner Form an eine überdimensionale, quergestellte Eistüte, beziehungsweise an eine Windhose oder einen Tornado. Bis in die Endrunde des Wettbewerbs hatten es neben Wagenhäuser auch die Einreichungen von Ali-Akbar Safaian aus Pegnitz, von Rainhard Feldrapp aus Naila und von Wolfgang Pietschmann aus Hollfeld geschafft.
Die Jury bezeichnete Wagenhäusers Skulptur unter anderem als minimalistisch, frech und technisch raffiniert. Aus der Distanz gesehen habe das Werk die Umrissform einer Pfeilspitze, die weithin sichtbar auf den Mittelpunkt Oberfrankens hinweist. Eine dezente, solarbetriebene Beleuchtung soll die Plastik bei Dunkelheit wie eine schimmernde Zeichnung vor den dunklen Hintergrund setzen.
Technisch betrachtet besteht das Kunstwerk aus Stahlbändern, die der Künstler rollen und miteinander verschweißen will. Das Material gilt als besonders wetterfest und wird mit der Zeit an seiner Oberfläche eine Patina ansetzen, die anfänglich rostartig, später violett bis dunkelbraun erscheinen wird.
Kasendorfs Bürgermeister Bernd Steinhäuser zeigte sich bei der Siegerehrung überzeugt davon, dass die Plastik weithin Aufsehen erregen und Anlass zu kontroversen Diskussionen geben wird. Kunst soll aber auch Widerspruch auslösen und müsse nicht immer gleich auf den ersten Blick gefallen. Der erste Preis war mit einem Preisgeld von 2000 Euro dotiert. 30.000 Euro bekam der Künstler für die Realisierung seines Werkes.
Im Rahmen einer feierlichen Einweihung wurde das Kunstwerk im Beisein zahlreicher Gäste der Öffentlichkeit vorgestellt und zugänglich gemacht. Anwesend waren unter anderem die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Regierungspräsident und zweiter Vorsitzender von Oberfranken Offensiv - Forum Zukunft Oberfranken e:V. Wilhelm Wenning, der Ehemalige Regierungspräsident und Vorsitzender der Jury Hans Angerer, Landrat Klaus Peter Söllner und natürlich auch Kasendorfs Bürgermeister Bernd Steinhäuser.
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