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„Gesellschaft 4.0: Digitales Land – Digitale Kommune“:

Gesundheitsversorgung 4.0

Oberfranken Offensiv e.V. führt seit Juni 2016 das vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat geförderte Projekt „Gesellschaft 4.0: Digitales Land – Digitale Kommune“ durch. Innovative Ideen kamen im Rahmen des offenen Wettbewerbs unter anderem aus der Stadt Wallenfels und dem Landkreis Wunsiedel, die sich beide mit telemedizinischen Projekten beworben hatten und die Jury damit überzeugen konnten. Bis Ende 2018 soll die Plattform „Gesundheitsversorgung 4.0“ entstehen.

Im Rahmen der vom Verein e2-health und Telemedizin Oberfranken e.V. für die Stadt Wallenfels eingereichten Projektidee und des Konzeptes des Landkreises Wunsiedel soll nun das Projekt „Gesundheitsversorgung 4.0“ realisiert werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der ärztlichen Betreuung der Patienten, die sich in stationärer oder ambulanter Pflege befinden. Bei dem Projekt geht es um einen neuen Ansatz der digitalen allgemeinmedizinischen und hausärztlichen Versorgung in einem ländlichen Raum. So soll der Arzt im Rahmen der Online-Sprechstunde auf die digitale Pflegeakte zugreifen können und bei Bedarf per Videosprechstunde mit dem Patienten kommunizieren.

Ziel des Projektes ist es mit Hilfe der Digitalisierung in ländlichen Räumen wie Oberfranken einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Daseinsvorsorge zu leisten.

Die geplante telemedizinische Anwendung einer Online-Sprechstunde soll in Wallenfels modellhaft vor allem für das Alten- und Pflegeheime „St. Elisabeth“ des Caritasverbandes für den Landkreis Kronach genutzt werden. Im Landkreis Wunsiedel steht neben den Seniorenheimen auch die Versorgung der Patienten der ambulanten Pflege in der Fläche im Vordergrund. Hierbei beteiligt sich das Diakonische Werk Selb-Wunsiedel an dem innovativen Projekt.

„Der persönliche und unmittelbare Kontakt zwischen Arzt und Patienten ist und bleibt auch in Zukunft unverzichtbar“, so die Vorsitzende von Oberfranken Offensiv e.V., Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml MdL. „Dank der Online-Sprechstunde müssen Hausarzt und Patient im Pflegeheim künftig aber nicht mehr in jedem Fall persönlich zur ärztlichen Besprechung vor Ort sein. Online-Sprechstunden sind ergänzende Leistungen, wenn behandelnde Ärzte und Patienten zustimmen.“ Denn laut Staatsministerin Melanie Huml MdL werden die vielfältigen Möglichkeiten der Telemedizin perspektivisch eine immer größere Rolle in der modernen Patientenversorgung spielen.

Im Rahmen des innovativen Projektes „Gesundheitsversorgung 4.0“ kann der Arzt online jederzeit in einem gesicherten Netz auf die digitale Pflegeakte zugreifen. Nach Auswertung dieser Daten und mit den eigenen vorhandenen Patientenakten in der Praxis hat der Arzt nun mehrere Möglichkeiten:

Zum einen könnte er gleich die Medikation anpassen. In manchen Fällen wird der Arzt jedoch mit den Patienten in Kontakt treten wollen. Dies kann er wie bisher über Telefon oder, wenn mit ihm vereinbart, per Mail tun. Eventuell entscheidet sich der Arzt seinen Patienten im Pflegeheim oder zuhause einen Hausbesuch abzustatten und dann seine weitere Behandlung anzupassen.

Sollte ein Hausbesuch nicht unbedingt notwendig sein, aber doch ein persönliches Gespräch vom Patienten oder Arzt als sinnvoll erachtet werden, kann dies dann per Videosprechstunde bewerkstelligt werden. Durch die Möglichkeit des visuellen und akustischen Kontaktes mit den Patienten und dem Pflegepersonal per Videosprechstunde können die behandelnden Ärzte dann Verlaufskontrollen und Behandlungen durchführen. Die Patienten kontaktieren ihren Arzt mit Hilfe des Pflegepersonals über eine verschlüsselte Internetverbindung und eine Webcam.

Insgesamt zwölf Mediziner in den beiden oberfränkischen Modellregionen sicherten ihr Mitwirken bereits zu, denn die teilnehmenden Ärzte versprechen sich von dem Projekt „Gesundheitsversorgung 4.0“ Erleichterungen im Praxisalltag. So auch der in Wallenfels niedergelassene Allgemeinarzt Ulrich Voit: „Mit einer Online-Sprechstunde samt Videosprechstunde lässt sich der organisatorische Aufwand für Patienten in der stationären Pflege, für das betreuende Pflegepersonal und auch für mich wahrscheinlich enorm reduzieren. So haben Pfleger und Ärzte insgesamt mehr Zeit für die Betreuung der Patienten. Voraussetzung ist für mich als Hausarzt, dass mir die betroffenen Patienten bekannt sind.“

Ähnlich beurteilen dies auch die Pflegedienste, so etwa Cornelia Thron, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für den Landkreises Kronach: „Die zeitnahe und schnelle Behandlung des Patienten durch den betreuenden Hausarzt per Online-Sprechstunde ist hierbei ein großer Vorteil für unsere Pflegeheim-Bewohner. Der Arzt ist immer auf dem Laufenden und kann jederzeit unsere Pflegeakte einsehen um sich ein umfassendes Bild vom Patienten zu machen.“ Gerade auch in akuten Fällen kann das System der Online-Sprechstunde seine Vorteile ausspielen: Nachdem der Arzt vom Pflegepersonal informiert wurde, kann er sofort die digitale Pflegeakte einsehen und sich ein umfassendes Bild machen. Danach kann der Arzt entscheiden, ob gleich die Verabreichung oder Anpassung eines Medikamentes sinnvoll ist oder ob er zuvor per Videosprechstunde mit dem Patienten in Kontakt tritt. In anderen Fällen wird er jedoch auch weiterhin einen Hausbesuch abstatten oder den Patienten in die Praxis einbestellen.

Allerdings gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, die auf alle Fälle eingehalten werden: Ausschließlich virtuell darf die Behandlung nicht ablaufen. Der Erstkontakt zwischen Patient und Arzt muss analog und nicht über eine Online-Sprechstunde erfolgen und der letzte persönliche Arztkontakt darf nicht länger als zwei Quartale zurückliegen.

Erst bei Zustimmung durch den Patienten und bei fortschreitender Behandlungssituation darf dann die Online-Sprechstunde eingesetzt werden. Das macht Sinn, wenn der Arzt die Therapie kontrollieren möchte. Auch bei der Anpassung der Dosierung eines Medikamentes ist die kurze Mitteilung über den Bildschirm von Vorteil. „Bei vielen Behandlungsanlässen und bestehender Arzt-Patienten-Konstellation ist die Online-Sprechstunde genauso effektiv wie der Praxisbesuch“, so Dr. Susanne Friese und Dr. Thomas Täuber, zwei Vertreter der zahlreich beteiligten Ärzte aus dem Landkreis Wunsiedel. Dr. Eva Körner aus Selb: „Wir leisten in Wallenfels und im Landkreis Wunsiedel Pionierarbeit!“

Stoppen lässt sich der Trend im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung nicht. „Auf jeden Fall wird die Arzt-Patienten-Kommunikation vielfältiger. Den persönlichen Arztkontakt und die individuelle Behandlung kann und soll die Online-Sprechstunde ergänzen, nicht ersetzen“, so Hannes Kohrhammer, Geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werkes Selb und Wunsiedel.

Die Stadt Wallenfels sowie der Landkreis Wunsiedel sind Ideengeber und Modellregionen der Online-Sprechstunde, die es in der beschriebenen Art, mit Datenzugriff auf Pflegeakte und ergänzender Videokonsultation, bisher noch nicht gibt.

Jens Korn, Erster Bürgermeister der Stadt Wallenfels, sowie der Wunsiedeler Landrat Dr. Karl Döhler stehen diesem gemeinsamen Projekt offen gegenüber. „Die interkommunale Zusammenarbeit zwischen einer Stadt und einem Landkreis, zwischen denen viele Kilometer Entfernung liegen, entspricht der Idee der Digitalisierung, die neue Möglichkeiten jenseits von räumlichen Bedingungen bietet“, betont Jens Korn, Erster Bürgermeister der Stadt Wallenfels. Auch der Wunsiedeler Landrat Dr. Karl Döhler freut sich schon jetzt auf die Kooperation: „Es ist spannend, dass zwei kommunale Partner gemeinsam an einem Projekt arbeiten und dennoch individuelle Bedürfnisse bedienen können.“

Spätestens zum Ende des Jahres 2018 soll das Projekt dauerhaft einsetzbar und vor allem auf andere Kommunen übertragbar sein.

Die Online-Sprechstunde als ergänzende Arzt-Patienten-Kommunikation. Quelle: Eigener Entwurf, Oberfranken Offensiv e.V., Juni 2017
Die Online-Sprechstunde als ergänzende Arzt-Patienten-Kommunikation.
Quelle: Eigener Entwurf, Oberfranken Offensiv e.V., Juni 2017

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